Anmerkungen zur Fortschreibungsrate der Pauschalen
An Beteiligte im Elementarbereich schrieb Gerhard Stranz folgende Anmerkungen zu den jüngst verkündeten Fortschreibungsraten:
„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie werden vielleicht auch darüber überrascht gewesen sein, dass das Ministerium erst mit Schreiben vom 30.12.2025 über die „Fortschreibungsrate“ der Pauschalen mit einer „negativen Steigerungsrate“ informierte und diese sogar als „negative Dynamisierung“ bezeichnete, so dass die Träger, z.B. erst durch ein Rundschreiben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vom 6.1.2026 informiert werden konnten. […] Ein kritischer Blick auf die berechnete „negative Dynamisierung“ macht überdeutlich, wie ungeeignet die Förderung durch Kindpauschalen ist und vor allem, dass das System in dieser Form nicht geeignet ist. Es kann nicht dazu beitragen, dass eine dem tatsächlichen Bedarf entsprechende Förderung, die Trägervielfalt und das Wahlrecht gesichert sind und die Chancengerechtigkeit für alle Kinder in NRW gewährleistet ist.
Die Fortschreibung setzt die Unterfinanzierung fort, die dadurch besteht, dass die berechneten Kindpauschalen von vornherein falsch berechnet waren! In den Kindpauschalen des KiBiz ab dem Jahr 2007 sind die überholte Werte des KGSt-Gutachtens aus dem Jahr 2005 zu den Kosten eines kommunalen Arbeitsplatzes zugrunde gelegt worden. Auf diesen überholten Werten erfolgten erst verspätet pauschale Anpassungen, keine grundlegende Korrektur und es wurden zwischenzeitliche Lohnerhöhungen und Kostensteigerungen nicht berücksichtigt.
Bereits im Jahr 2009 hätte eine Erhöhung der Pauschalen um 33 % erfolgen müssen.
Zudem ist die im aktuelle KGSt-Gutachten erfolgte Berücksichtigung der Durchschnittspersonalkosten nach dem SAP-System der Stadt Köln mehr als fragwürdig. Damit werden nicht die Bedingungen in Einrichtungen berücksichtig, in denen sich der Altersdurchschnitt der Mitarbeitenden, damit auch die Höhe der Personalkosten, von dem der Großstadt mit einer vielleicht „normalen“ Altersverteilung, unterscheidet.
Zudem ergeben sich durch abweichende Träger- und Einrichtungsstrukturen evtl. höhere Kosten, die entsprechend auch in die Sachkosten höhe betreffen.
Außerdem ist zu bedenken, dass es durchaus sein kann, dass die tatsächlich entstehenden Personalkosten für Mitarbeitende in Tageseinrichtungen der Stadt Köln über den Durchschnittskosten liegen, ohne dass das von Relevanz für die einzelne kommunale Einrichtung wäre, zumal die Defizitabdeckung in jeder Höhe durch öffentliche Mittel kommunal ausgeglichen wird.
Insofern bietet die jetzt berechnete „negative Dynamisierung“ eine gute Gelegenheit dazu, die Fördersystematik in Frage zu stellen und zumindest durch die Landschaftsverbände, die Spitzenverbände und die Kirchen, die die unzulängliche Situation kennen, jetzt eine Spitzabrechnung für die Einrichtungen vorzusehen, für die die Pauschalförderung nicht auskömmlich ist.
Die Zusammenfassung zu immer größeren Trägerverbünden erscheint mir als ein Mittel der Mangelverwaltung, die aber nicht unbedingt dazu beiträgt, qualitativ gute Bedingungen für die Begleitung von Kindern zu gewährleisten, für die die Beziehungsqualität in ihrer Entwicklung von großer Bedeutung ist und den Eltern ein wohnortnahes, bedarfsgerechtes Angebot überall sichern kann.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Stranz“

