Bildungsunterschiede bereits bei Zweijährigen
Das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LifBi) in Bamberg wertete den Nationalen Bildungspanel aus und stellte fest: Welche Kinder später einmal gut lernen und in der Schule erfolgreich sind, ist oft schon im Alter von zwei Jahren absehbar. Dies betont die Bedeutung der frühen Bildung, denn im Kleinkindalter bereits zementierte Unterschiede werden in der Grundschulzeit dann kaum noch aufgeholt. Dies betrifft vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien oder solchen mit geringem Einkommen, deren Anteil in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Eltern in solchen Familien gelänge es oft weniger gut, die Entwicklung ihrer Kinder durch gemeinsame Aktivitäten wie dem Betrachten und Besprechen von Bilderbüchern zu fördern. Eine Mit-Autorin der Studie sagte: „Ziel muss es sein, allen Kindern gerechtere Bildungschancen zu ermöglichen und deshalb Eltern in Risikosituationen so frühzeitig wie möglich Unterstützung zukommen zu lassen, um ungleiche Startbedingungen auszugleichen.“
Laut Zahlen des Landes NRW mussten zuletzt 1496 Kölner Kinder eines der ersten beiden Schuljahre wiederholen. Das sind 7,6 Prozent des Jahrganges. Doch im armen Stadtteilen lag die Quote bei 14,3 Prozent. Viele kommen mit starken Entwicklungsverzögerungen, welche die Grundfähigkeiten betreffen: die Sprache, körperliche Fähigkeiten aber auch die Selbstregulierung. Angesetzt werden müsste bereits vor dem Grundschulalter, also in der Kita.
Wie aus weiteren Studien hervorgeht, gibt es bei der Kita-Nutzung bei Kindern im bildungsentscheidendem Alter zwischen einem und unter drei Jahren aber stark ausgeprägte sozioökonomische Unterschiede. Demnach sind ausgerechnet jene Kinder deutlich unterrepräsentiert, die es am nötigsten hätten. Die aus armutsgefährdeten Familien stammen, in deren Elternhaus überwiegend kein Deutsch gesprochen wird oder deren Eltern keinen akademischen Hintergrund besitzen. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) vertritt die Ansicht, dass ein früherer Besuch in einer qualitativ guten Kita Ungleichheiten in der Entwicklung von Kindern verringern könne.
Ob die von der Landesregierung NRW geplante Aufsplittung der pädagogischen Qualität in „Kernzeiten“ und „Randzeiten“ (in denen weniger gut qualifiziertes Personal verstärkt eingesetzt werden kann) und die Auslagerung einer speziellen Sprachförderung auf ABC-Klassen da wirklich Schritte in die richtige Richtung sind?

